Finanzergebnisse Q1 2020

14.05.2020

Bilfinger mit gutem Auftragseingang, jedoch Auswirkungen von COVID-19 und Ölpreisentwicklung auf Umsatz und Ergebnis im März

  • Markt: Verwerfungen durch COVID-19, erheblicher Verfall des Ölpreises
  • Gesundheit: frühe und starke Fokussierung auf Gesundheitsschutz für Mitarbeiter und Kunden
  • Auftragseingang 1,060 Mrd. €/+11% org.: Anstieg aufgrund größerer Projekte
  • Umsatz 915 Mio. €/-7% org.: unter Vorjahr mit schwachem März
  • Bereinigtes EBITA -11 Mio. €: verursacht durch Umsatzrückgang und Unterauslastung
  • Berichteter Free Cashflow -93 Mio. €: leicht verbessert gegenüber Vorjahr
  • Liquidität: solide Cash-Position
  • Dividendenvorschlag: aufgrund des unsicheren Umfelds Reduzierung auf gesetzlich vorgeschriebenen Mindestbetrag von 0,12 € pro Aktie
  • Aktueller Ausblick für 2020: Umsatzrückgang um rund 20 Prozent, bereinigtes EBITA noch positiv

Das schwierige wirtschaftliche Umfeld hat im ersten Quartal 2020 Spuren im Ergebnis von Bilfinger hinterlassen. Wie bereits am 31. März 2020 berichtet, ist der Industriedienstleister im operativen Geschäft aufgrund der COVID-19-Pandemie und ihren Auswirkungen auf die Weltwirtschaft mit erheblichen Verwerfungen und Einschränkungen konfrontiert. Verschärft wird diese Situation durch den starken Verfall des Ölpreises seit März 2020. Vor diesem Hintergrund hatte das Unternehmen seine im Februar gegebene Prognose für das Geschäftsjahr 2020 zurückgezogen.

Nach einem positiven Jahresauftakt ist der Umsatz bei einigen Aktivitäten im März erheblich zurückgegangen. Dies betrifft insbesondere das Wartungsgeschäft von Offshore-Öl- und Gasanlagen in der Nordsee sowie Aktivitäten in Ländern mit Coronavirus-bedingtem Lockdown, z.B. Österreich, Frankreich, Belgien und Polen. Bilfinger geht im aktuellen Ausblick davon aus, dass die größten Belastungen im zweiten Quartal auftreten werden, gefolgt von einer allmählichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Allerdings wird das Umsatzniveau voraussichtlich niedriger ausfallen als bisher angenommen, insbesondere bei den Aktivitäten des Unternehmens in der Öl- und Gasindustrie. Darüber hinaus wurden Aufträge, vor allem Turnaround-Projekte, in erheblichem Umfang auf das nächste Jahr verschoben. Dies bildet die Grundlage für ein deutliches Umsatzwachstum im Jahr 2021.

Dank der von Bilfinger in den vergangenen Jahren unternommenen Anstrengungen, die Organisation effizienter und agiler zu gestalten, ist das Unternehmen heute in einer weitaus besseren Position, um die aktuellen Herausforderungen zu meistern. Zu erwarten ist, dass darüber hinaus staatliche Förderungsmaßnahmen, wie Kurzarbeitergeld, die durch den starken Rückgang der Geschäftstätigkeit bedingte Unterauslastung in den betroffenen Bereichen teilweise kompensieren werden. Außerdem haben Aufsichtsrat und Vorstand sowie die leitenden Angestellten des Unternehmens beschlossen, vorübergehend auf einen Teil ihrer Gehälter zu verzichten. In Bereichen, in denen die Aussichten längerfristig gedämpft sind, werden dauerhaftere Einschnitte in die Kostenbasis vorgenommen. Diese werden zu höheren Sonderaufwendungen führen, aber auch die Grundlagen für einen zukünftigen Normalzustand schaffen.

Vor diesem Hintergrund haben Vorstand und Aufsichtsrat den im Februar 2020 veröffentlichten, ursprünglichen Dividendenvorschlag überprüft und werden nun der Hauptversammlung am 24. Juni 2020 eine Dividende von 0,12 € je Aktie vorschlagen. Dies entspricht der gesetzlich vorgeschriebenen Mindestdividende.

CEO Tom Blades: „Die COVID-19-Pandemie macht sich im gesamten Bilfinger-Geschäft bemerkbar, hinzu kommt der Ölpreisschock bei etwa einem Drittel unserer Aktivitäten. Unsere Manager haben schnell die richtigen Schritte unternommen, und wir haben das Glück, über eine solide Bilanz zu verfügen, die uns in diesen äußerst unsicheren Zeiten hilft. Unsere aktuellen, kurz- und mittelfristigen Prioritäten sind die folgenden: Wir müssen uns auf die Gesundheitsanforderungen durch COVID-19 einstellen, unser Geschäft schützen und gleichzeitig auch Wachstumschancen im Auge behalten.“

Entwicklung des Konzerns im ersten Quartal 2020
Durch die Vergabe bedeutender Großprojekte stieg der Auftragseingang organisch um 11 Prozent auf 1.060 Mio. € (Vorjahr: 971 Mio. €). Geringere Erwartungen an Rahmenverträge im Öl- und Gasgeschäft führten zu einer Korrektur des Auftragsbestands in den betroffenen Einheiten. Das Book-to-Bill-Verhältnis belief sich auf 1,16. Der Konzernumsatz ging organisch um 7 Prozent auf 915 Mio. € (Vorjahr: 1.008 Mio. €) zurück. Hier wirkte sich eine schwache Entwicklung im März bei mehreren Einheiten aus, insbesondere bei den Nordsee-Offshore-Aktivitäten in Aberdeen und Stavanger. Durch die Unterauslastung war die Bruttomarge belastet, sie betrug 7,4 Prozent (Vorjahr: 8,1 Prozent). Infolge des geringeren Umsatzes stieg die bereinigte SG&A-Quote auf 9,2 Prozent (Vorjahr: 8,8 Prozent). Allerdings ging der absolute SG&A-Aufwand im Berichtsquartal weiter zurück und zwar von 89 Mio. € auf 84 Mio. €. Dieser Rückgang ist auf positive Effekte des laufenden SG&A-Effizienzprogramms zurückzuführen. Da die Kostensenkungen das rückläufige Bruttoergebnis nicht unmittelbar kompensieren konnten, sank das bereinigte EBITA auf -11 Mio. € (Vorjahr: -4 Mio. €). Dies entspricht einer bereinigten EBITA-Marge von -1,2 Prozent im Vergleich zu -0,4 Prozent im Vorjahreszeitraum.

Segment Engineering & Maintenance Europe
Im Segment Engineering & Maintenance (E&M) Europe stieg der Auftragseingang aufgrund der Beteiligung an den Projekten BP Rohrbrücke und Hinkley Point C Balance of Plant organisch um 5 Prozent auf 631 Mio. € (Vorjahr: 602 Mio. €), trotz gleichzeitig reduzierter Erwartungen an Rahmenverträge in der Öl- und Gasindustrie. Der Umsatz ging organisch um 3 Prozent auf 573 Mio. € (Vorjahr: 595 Mio. €) zurück, was im März zu einer Unterauslastung in Norwegen (Stavanger), Großbritannien (Aberdeen), Belgien und Polen führte. Das Book-to-Bill-Verhältnis betrug 1,1. Das bereinigte EBITA belief sich auf 4 Mio. € (Vorjahr: 11 Mio. €) bei einer niedrigen Marge von 0,7 Prozent (Vorjahr: 1,9 Prozent).

Segment Engineering & Maintenance International
Der Auftragseingang im Segment Engineering & Maintenance (E&M) International war mit 154 Mio. € (Vorjahr: 157 Mio. €) insgesamt stabil. Nach einem starken Vorjahresquartal in Nordamerika ging der Umsatz erwartungsgemäß zurück und sank organisch um 25 Prozent auf 165 Mio. € (Vorjahr: 213 Mio. €). Dort nähern sich laufende Projekte der Fertigstellung, was zu einer Unterauslastung in der betroffenen Einheit führte. Trotz Personalanpassungen bleibt auch für den weiteren Verlauf des Jahres eine gewisse Unterauslastung bestehen. Das bereinigte EBITA ging auf -1 Mio. € (Vorjahr: 5 Mio. €) zurück, dies entspricht einer Marge von -0,8 Prozent (Vorjahr: 2,1 Prozent).

Segment Technologies
Der Auftragseingang im Segment Technologies nahm aufgrund der Vergabe größerer Aufträge bei den Projekten BP Rohrbrücke und Hinkley Point C Balance of Plant erheblich zu, er stieg organisch um 154 Prozent auf 287 Mio. € (Vorjahr: 113 Mio. €). Beide Projekte werden als interne Kooperationen unter Führung von Technologies ausgeführt und von E&M Europe unterstützt. Der Umsatz ging im Berichtsquartal infolge der COVID-19-Lockdowns in Österreich und Frankreich auf 113 Mio. € (Vorjahr: 118 Mio. €) zurück. Das Ergebnis des Segments blieb mit einem bereinigten EBITA von -5 Mio. € (Vorjahr: -10 Mio. €) negativ. Allerdings führten die Restrukturierungsmaßnahmen in leistungsschwachen Einheiten sowie eine bessere Projektausführung zu einem Ergebnisanstieg.

Free Cashflow leicht verbessert
Aufgrund des negativen operativen Ergebnisses ging das Konzernergebnis auf -24 Mio. € (Vorjahr: 9 Mio. €) zurück. Der Vorjahreswert war durch mehrere positive Einmaleffekte gestützt. Der berichtete Free Cashflow verbesserte sich leicht auf -93 Mio. € (Vorjahr: -102 Mio. €). Die aktuelle Cashflow-Entwicklung zeigt trotz des negativen Geschäftsumfelds einen guten Verlauf. Zudem sind Maßnahmen zur weiteren Sicherung der Liquidität eingeleitet. Kein Finanzierungsinstrument des Unternehmens hat eine Fälligkeit vor dem Jahr 2022.

Aktueller Ausblick für Konzern und Segmente im Jahr 2020
Nach sorgfältiger Prüfung der aktuellen Situation rechnet Bilfinger nun für das laufende Geschäftsjahr mit einem Umsatzrückgang von rund 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,3 Mrd. €) sowie einem bereinigten EBITA deutlich unter dem Vorjahresniveau (104 Mio. €), das aber noch positiv bleibt.

Das Unternehmen erwartet sowohl bei E&M Europe als auch bei E&M International einen deutlichen Rückgang des Umsatzes und des bereinigten EBITA; beide Segmente werden dabei voraussichtlich weiterhin einen positiven Ergebnisbeitrag liefern. Der Umsatzrückgang bei Technologies wird voraussichtlich weniger stark ausfallen. Zu erwarten ist, dass dieses Segment nach einem Verlust im Jahr 2019, der durch Altprojekte und ein Unternehmen in Transformation verursacht worden war, im Jahr 2020 noch eine deutliche Ergebnisverbesserung erzielen wird.

Obwohl nun ein negatives Konzernergebnis erwartet wird, rechnet das Unternehmen für 2020 weiterhin mit einem positiven berichteten Free Cashflow (2019: 57 Mio. €).

Bilfinger geht bei seinem aktuellen Ausblick davon aus, dass die größten Belastungen durch die Krise im zweiten Quartal auftreten werden, gefolgt von einer allmählichen Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Der erwarteten Umsatzentwicklung liegt auch die Annahme zugrunde, dass keine weiteren Projekte und Turnarounds in das Jahr 2021 verschoben werden. Das positive bereinigte EBITA basiert auf der Annahme, dass die staatlichen Lohnkostenzuschüsse weitergeführt werden, solange die COVID-19 Beschränkungen das Geschäft in unseren wichtigsten europäischen Märkten beeinträchtigen. Der aktuelle Ausblick geht jedoch nicht von einer signifikanten Erholung des Ölpreises aus.

Angesichts der globalen Dimension und der begrenzten Vorhersehbarkeit der COVID-19-Krise wird das Unternehmen die Situation weiterhin beobachten und alle Anstrengungen unternehmen, um weitere mögliche negative Auswirkungen abzuschwächen.

 

Kennzahlen des Konzerns

in Mio. €
  Q1 GJ
  2020 2019 ∆ in % 2019
Auftragseingang 1.060 971 9
(org: 11)
4.159
Auftragsbestand 2.562 2.754 -7
(org: -4)
2.567
Umsatz 915 1.008 -9
(org: -7)
4.327
EBITDA bereinigt 16 21 -24 212
EBITA bereinigt -11 -4 -150
(org: -206)
104
EBITA-Marge bereinigt
(in %)
-1,2 -0,4   2,4
EBITA -20 -3 -647 32
Bereinigtes Konzernergebnis -13 -6 -117 49
Bereinigtes Ergebnis je Aktie
(in €)
-0,31 -0,14   1,23
Konzernergebnis -24 9   24
Operativer Cashflow -84 -89 6 110
Bereinigter operativer Cashflow -72 -70 -1 181
Free Cashflow -93 -102 9 57
Bereinigter Free Cashflow -80 -83 4 128
Investitionen in Sachanlagen 9 15 -38 64
Mitarbeiter
(Anzahl zum Stichtag)
33.864 35.858 -6 34.120